Erlebte Rede
Gedanken im Erzähltext
Was ist Erlebte Rede?
Die erlebte Rede ist die Zwischenform zwischen direkter und indirekter Rede: dritte Person, Indikativ, Präteritum, keine Anführungszeichen, kein „dass". Am Beispiel: direkt wäre „Muss ich wirklich gehen?", indirekt „Sie fragte sich, ob sie wirklich gehen müsse", erlebte Rede „Musste sie wirklich gehen?". Erzählerstimme und Figurenstimme verschmelzen, die Leserin ist im Kopf der Figur, ohne dass der Text das Tempus wechselt. Nachweisbar ist die Technik seit dem zwölften Jahrhundert, zum modernen Standard wurde sie durch Jane Austen und Gustave Flaubert. Für dich ist sie das wichtigste Werkzeug überhaupt, wenn es um Nähe geht: Erlebte Rede ist praktisch die Grundlage dessen, was heute Deep POV genannt wird. Sie ersetzt die meisten Filterwörter, sie macht kursiv gesetzte Gedanken überflüssig, und sie funktioniert über hunderte Seiten, ohne aufzufallen. Wichtig ist nur, die Perspektive konsequent zu halten, sonst entsteht Head-Hopping.
