Show, don't tell
zeigen statt behaupten
Was ist Show, don't tell?
Der bekannteste Schreibratschlag überhaupt: Nicht „sie war wütend", sondern eine Handlung, aus der die Wut hervorgeht. Die Zuschreibung an Tschechow ist übrigens erfunden. Belegt sind der Dramatiker Mark Swan, der sich „Show, not tell" über den Schreibtisch hängte, und Percy Lubbock, der die Unterscheidung 1921 in „The Craft of Fiction" beschrieb. Der Rat ist gut und wird trotzdem zu streng ausgelegt. Wer alles zeigt, ermüdet: Wenn jeder Handgriff ausgespielt wird, stechen die Stellen, die herausstechen sollen, nicht mehr heraus. Ein Roman braucht auch Übergänge, Zeitraffung und Routine, und dafür ist Erzählen genau das richtige Werkzeug. „Drei Wochen vergingen" ist ein guter Satz. Die brauchbare Fassung der Regel lautet deshalb: Zeigen für die emotional wichtigen Szenen, erzählen für alles, was die Leserin nur wissen, aber nicht miterleben muss. Verwandte Handgriffe sind das Streichen von Filterwörtern und der sparsame Umgang mit Adverbien.
